Quilt-Glueck Rotierendes Werbebanner
Grundkenntnisse

Grundkenntnisse um einen Patchwork Quilt herzustellen

Ich habe mal alles aufgeschrieben, was ich zu Anfang auch gerne gewusst hätte. ©Quilt-Glueck 2009


Was ist eigentlich „Patchwork“?
Patchwork heißt: Flickwerk. Das bedeutet: wir nehmen Stoffe, schneiden diese klein und nähen sie wieder zusammen.

Patchworkdecken und andere Artikel, wie Jacken etc.,  sollten eigentlich den Menschen wärmen.

Heute hat auch im Patchwork die künstlerische Seite Einzug gehalten, es werden also auch Quilts hergestellt, die wie ein Gemälde ein Kunstobjekt sind und dann eben an der Wand hängen oder auch wie Skulpturen gestaltet in Ausstellungen zu bewundern sind.

Der Formenvielfalt und interessanten Techniken sind keine Grenzen gesetzt. Auch textilfremde Materialien werden angewendet.

Was ist „Quilten“?


Das Quilting dient in erster Linie dazu, die 3 Lagen einer Decke zusammenzuhalten.

Rückseite, Vlies und Patchwork - Oberseite werden mit möglichst kleinen Stichen per Hand oder mit der Nähmaschine verbunden.

Die Quiltstiche werden auch gerne als bestimmte Motive dargestellt. Auch auf der Rückseite ergeben sich dadurch interessante Muster. Quilten wird oft als sehr entspannend beschrieben und gibt außerdem jeder Decke erst Ihre eigene Note.

Derzeit boomt der Markt der Longarmquilter/innen – d.h. das Quilt-Top wird eingespannt mit Vlies und Rückseite und mit Hilfe einer Schnellnäh-Maschine gequiltet. Meist werden Pantograph Muster angewendet.

Die Grundausstattung:

Rollschneider:

Ein Hilfsmittel zum Zuschneiden und Begradigen.

Es gibt sie in verschiedenen Größen und in ergonomisch angepassten Formen. Auch bunte Farben für die Griffe, sowie Sondereditionen haben Einzug gehalten.

Er sollte wirklich gut in der Hand liegen und sich unbedingt leicht sichern lassen, da die Klinge sehr scharf ist. Der Rollschneider darf auf keinen Fall in Kinderhände gelangen.

Kleine Klingen eignen sich vor allem für gebogene Formen (kleiner Radius), große Klingen zum Schneiden von geraden Linien und Streifen.
Schneidematte:

Die Schneidematte absolut unverzichtbar, sie ist schnittfest und sorgt dafür das die Klinge nicht so schnell stumpf wird.

Die Schneidematte muss immer liegend gelagert werden und verträgt weder Sonnenlicht, noch starke Hitze, sonst wellt sie sich.

Es gibt in verschiedenen Größen.
Lineale:

Es gibt die aus durchsichtigem Kunststoff mit Längs- und Querlinien, mit 30°, 45° und 60° Winkelmarkierungen, in inch und auch cm Maßeinteilungen.

Mit dem Rollschneider kann man gut daran entlang schneiden. Man benötigt es auch um Markierungen auf den Stoff zu bringen, zum Zuschneiden, zum Begradigen und vieles mehr. Es gibt mittlerweile sehr viele Modelle, für Wellen, für bestimmte Dreiecke und vieles mehr.

Zum Einstieg reicht ein langes Lineal 15 x 60cm und ein quadratisches, ~20x20cm, um leicht Quadrate schneiden zu können.

Mit der Zeit kommt man sicher an einigen weiteren Linealen nicht vorbei.

Weitere Zubehöre sind:

Stecknadeln, Nähmaschinennadeln, Nähmaschine, Nähnadeln und Nähgarne in möglichst allen Farben *g*…das geht natürlich nicht, ich nähe vorwiegend mit beige und einem mittelgrauem Farbton, wenn ich bunte Stoffe vernähe.

Dazu gehören auch: Fingerhut, Sicherheitsnadeln, Bügeleisen.
Ganz wichtig: die Scheren, ich empfehle eine Stoffschere und eine Papierschere. Schneiden Sie niemals mit der Stoffschere etwas anderes als Stoff!!

Die Stoffe:

Beginnen Sie mit Baumwollstoffen. Sie sind langlebig und lassen sich für den Anfang leichter verarbeiten.

Achten Sie darauf, dass die Baumwollstoffe in der Stärke etwa gleich sind. Es macht das Zuschneiden und das Zusammennähen etwas einfacher.

Das Stoffangebot ist  ..ich würde sagen: gigantisch.

Wählen Sie für kleine Stoffstücke auch kleine Muster. Groß gemusterte Stoffe verlieren ihre Wirkung bei kleinen Zuschnitten.

Gerne mische ich Motive mit Uni Stoffen oder so genannten falschen Unis. Das sind Stoffe die gleichfarbig nur ganz zart gemustert sind und in einer passenden Farbe praktisch niemals stören.

Natürlich kann man gebrauchte Stoffe verwenden, es gibt Hemden - Quilts oder Memory - Quilts aus „alten“ Wäschestoffen etc.. 

Ein Vorwaschen ist, meiner Meinung nach, angebracht um ein Einlaufen oder Ausfärben in einem Quilt zu verhindern.

Es gibt Quilter/innen die nie vorwaschen, das muss jede/r für sich selbst entscheiden.


Zuschneiden

Nach Möglichkeit den Stoff immer einlagig zuschneiden. Bei großen Stoffstücken höchstens einmal falten, sonst verschiebt die der Stoff an den inneren Lagen und das Streifen oder das Stoffstück wird schief.

Nähen

Das genaue Nähen ist natürlich das wichtigste. Nähen Sie immer füßchenbreit die Nähte. Meist wird von einer Nahtzugabe (NZG) von 0,75 cm gesprochen, messen Sie einmal nach, ob das Füßchen auch dieses Maß hat. Je nach Maschinenmarke variiert es oft. Nahtanfang und Nahtende braucht meist nicht vernäht zu werden.

Das Nähen in inch, mit inch Nahtzugabe 0,25’’, ist für mich mittlerweile wesentlich einfacher, als das Nähen in cm. Versuchen Sie es, Sie werden bestimmt ebenfalls feststellen, das es leichter zu handhaben ist. Dazu gehören aber unbedingt Inch-Lineale und ein Inch-Fuß für die Nähmaschine, oder die Nadel lässt sich vielleicht bei Ihrem Modell verstellen. Dann aber unbedingt bei einer Nahtzugabe bleiben, niemals innerhalb eines Projektes die NZG ändern.

Bügeln

Bügeln Sie nicht mit Dampf. Es gibt Stoffe die sich bei Dampf gerne verziehen. Bügeln sie ohne festes schieben. Eine ungeschriebene Regel lautet: helle Stoffe zum dunklen Stoff bügeln, damit der dunkle nicht unter dem hellen Stoff hervor scheint. Richten Sie ihren Nähplatz am besten so ein, das in Reichweite die Bügelunterlage mit dem Bügeleisen steht, damit Sie nicht für jede Naht aufstehen müssen.

Für einen Quilt nähen Sie erst alle Blöcke. Dann arrangieren Sie die Blöcke entweder auf einem großen Tisch, je nach Platz oder an einer Designwand.

Dann nähen Sie die Blöcke Stück für Stück zu einer Reihe zusammen (je nach Layout natürlich).  Diese Streifen nähen Sie dann zum Top zusammen. immer gut die Nähte bügeln, die NZG immer zu einer Seite, damit es keine unschönen „Knubbel“ gibt.

Dann montieren Sie das Top, das Vlies und die Rückseite zu einem Sandwich entweder mit Heftstichen, Quilt - Sicherheitsnadeln oder mit Sprühzeitkleber.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Heftpistole, ich selbst habe damit keine Erfahrung.

Das Montieren

Der Rückenstoff wird mit der Rückseite nach oben glatt auf einem Tisch oder den Fußboden ausgelegt.

Befestigen Sie den Stoff an mehreren Stellen mit Klebestreifen, jedoch ohne Ziehen, es dürfen keine Falten bilden.

Das Vlies wird nun, ohne es zu verziehen, aufgelegt und, von der Mitte aus, glatt gestrichen.

Jetzt kann das Quilttop, Oberseite oben, darüber gelegt werden. Ordentlich glatt streichen.

Die Rückseite und das Vlies sollen mind. 5 cm, besser 10 cm, überstehen.

Nun immer von der Mitte aus zum Rand und diagonal zu den Ecken, in großen Stichen heften, ohne knoten, machen Sie am Anfang und Ende nur 1 oder 2 Rückstiche.

Versuchen Sie ein Raster mit ~10 cm Abstand über das ganze Sandwich zu verteilen. Zuletzt mache ich eine Heftstich-Umrandung am Rand entlang. Bilderanleitung unter “Spray-Heften” in Anleitungen.

Vliese gibt es in verschiedenen Materialien

Wollvlies:

Nur Handwäsche, wunderbar weich, leider können einzelne Wollfäden aus dem Stoff wandern. Man sollte es zwischen 2 dünne Lagen Mull oder Seidenstoff legen, um das „wandern“ zu verhindern.

Dies ist meinem Erachten nach doch zu aufwändig.

Seidenvlies:

Sollte ebenso mit Zwischenlagen verwendet werden, gilt als sehr weich und leicht. Für Gebrauchsquilts, die öfter gewaschen werden müssen, nicht zu empfehlen.

Baumwollvlies:
Kann nur auf 30° gewaschen werden, sonst schrumpft es zu stark.

Es eignet sich besser zum Maschinenquilten als zum Handquilten, da die Nadel nicht leichtgängig durchrutscht.

Polyestervlies

Sehr gute Waschbeständigkeit, preiswert, es ist leicht, luftig und doch warm, es gibt versch.Stärken, es lässt sich gut mit der Hand quilten, ebenso mit der Maschine. Poly-Vliese sind sehr langlebig und für Gebrauchsquilts gut zu empfehlen.


Vlies zum Aufbügeln:

Gut zu quilten, da nichts mehr verrutschen kann. Es gibt versch. Stärken. Sonst wie Polyestervlies.
 
Markieren:

Ein bestimmtes Quiltmuster muss auf die Quiltoberseite aufgezeichnet werden.

Auch ohne Aufzeichnen kann gequiltet werden, z.b. entlang den Nähten oder den Motivlinien angepasst.

Außerdem kann man frei nach Belieben quilten, hier wird gerne ein Meandermuster angewendet.

Ich verwende meist einen harten Bleistift, gut gespitzt und nur zart aufgedrückt. Es gibt mittlerweile Radiergummi für Stoff, nach dem Quilten lässt sich der Bleistift auswaschen.

Farbige Aquarellstifte eignen sich bei bunten Stoffen, sie sind wasserlöslich, lassen sich also durch waschen entfernen. Vorsicht bei Rot und Orangetönen, hier lieber auf gelb, hellgrün oder weiß ausweichen.

Nach dem Quilten – also vor dem Waschen niemals bügeln, da sich manche Stiftfarben sonst im Gewebe verfestigen und nicht mehr entfernen lassen.

Vorsicht auch bei ungewaschenen Stoffen, manchmal sind Stoffe mit Appreturen oder anderen Ausrüstungen behandelt, die die Farbe nicht mehr abgeben.
Clover-Markierungsset:
Besteht aus Kreidestiften, die Farbe ist auswaschbar. Leider sind sie recht dick und erlauben keine feinen, dünnen Linien.

Silberstift:
Ideal auf dunklen Stoffen. Die Markierungen lassen sich durch Ausbürsten oder Auswaschen entfernen.

 
Zum Übertragen gibt es Quiltschablonen. Man kann diese auch mit Schablonenmaterial selbst herstellen. Ich verwende am liebsten die Fertigen, man kann sie immer wieder verwenden.

Das Quilten: Das Quilten dient zum einen dazu, um die 3 Lagen zusammen zu halten, zum anderen durchaus auch zur Dekoration.


Das Handquilten:

Zum Handquilten verwende ich einen runden Quiltrahmen, Durchmesser 50cm. Es gibt Stangenrahmen und Sitzquiltrahmen, Quiltrahmen rund, auf einem Ständer...etc…hier muss man wirklich versuchen das richtige Modell für sich zu finden.

Die Quiltnadeln sind meist recht kurz, so genannte „betweens“. Es bedarf etwas Übung, bis die Stiche gleichmäßig und entspannt in lockerer Haltung ausgeführt werden können. Ich empfehle auf jeden Fall einen Kurs.

Das Quiltgarn ist fester und strapazierfähiger als Maschinennähgarn. Es hat eine spezielle Ausrüstung, die verhindern soll, dass es sich leicht verknotet oder aufreibt.

Ich benütze Fingerhüte von Esther Miller, es gibt auch Quilter/innen, die keine „Hüte“, oder andere Hilfsmittel benötigen.

Machen Sie drei eng aneinander liegende Knoten ans Fadenende. Ziehen Sie diese Knoten gefühlvoll nur durch die Oberseite, so dass die Knoten im Vlies stecken.

Der Quiltstich wird als einfacher Heftstich (Vorstich) genäht.  Versuchen Sie sehr gleichmäßige, kleine Stiche auszuführen. Mit jedem Stich müssen die  3 Stofflagen gefasst werden. Faden leicht durchziehen, damit sich keine Falten bilden.

Das Maschinenquilten:

Es können gerade Linien oder freie Muster gequiltet werden.

Zum freien Maschinenquilten benötigen Sie einen Stick- oder Stopffuß. Untertransport versenken und schwungvoll frei führen, die Stichlänge durch Gleichmäßigkeit kontrollieren. Erleichtert wird dies durch einen Quiltring oder durch Quilthandschuhe, um ihn dadurch besser führen zu können.
Zum Quilten von geraden Linien, empfiehlt sich der Oberstofftransport, da er den Stofftransport unterstützt und sich so keine Falten, durch Verschiebungen, bilden können.

Je nach Quiltgröße, muss ein Quilt aufgerollt werden, um ihn unter die Nähmaschine zu bekommen.

Es gibt inzwischen Quiltmaschinen für den kleinen Haushalt mit einem größeren Durchlass.

Nach dem Quilten müssen die Ränder des Quilts begradigt werden.


Randeinfassung

Den Schrägstreifen auf der Oberseite in Nahtzugabenabstand aufnähen und dann auf der Rückseite mit Überwendlingstich festnähen.

Oder: der Schrägstreifen kann ebenso auf der Rückseite aufgenäht und auf der Vorderseite befestigt werden.

Oder: der überstehende Stoff der Rückseite begradigen, die Vorderseite und das Vlies zurückschneiden. Die Rückseite wird nach vorne umgeschlagen festgenäht.

Oder: beide Stoffkanten, also die der Rückseite und die der Oberseite nach innen umschlagen und durch zusammennähen schließen – so genannte Knife Edge Kante.

Oder: ganz künstlerisch die Kante mit dem Lötkolben abbrennen...

Oder: Mit einem Wollgarn die kante verzieren... Sie merken schon.. auch hier gibt es nicht unbedingt feste Regeln... frei nach dem Motto : Schön ist, was gefällt?
 

  • Siggi oder Label

Gerne werden die Quilts mit einem Siggi, auch Label genannt, versehen. Eine Signatur wird meist auf der Vorderseite aufgebracht, das können z.b. die gestickten Initialen sein.

Oder man näht ein Label auf die Rückseite auf, darauf stehen der Name, das Datum und der Ort.

Das Label kann eines aus Druckstoff sein, oder ein selbst beschriftetes. Verwenden Sie waschfeste Stoffstifte.

©Quilt-Glueck 2009

[Quilt-Glueck] [Freie Muster] [Sampler] [Links] [Block of the Month] [Anleitungen] [Was ist...? Lexikon] [Quilt as you go] [Was ist ein BOM] [Lexikon] [Sashiko] [Was ist ein Swap?] [RagTimeQuilt] [Urheberrecht] [Shiva Markal Paintsticks] [Grundkenntnisse] [Fähnchen-Nähen] [Galerie] [Online Kurse] [Kurse] [Shop] [Buchbeschreibungen] [Electric-Quilt] [Embroidery] [Hawaiian Quilting] [Kontakt/Impressum]

 

 

wer sucht der findet...

Scrap Therapy

hexamania

Quilt-Glueck-Shop